Doktorkommission der Universität Ss. Kyrill und Method Begutachtung der Doktorarbeit
Die Doktorarbeit von Dr. Mimoza Keka bietet eine einzigartige Perspektive auf die Klavierinterpretation, indem sie klassische Kunstfertigkeit mit modernster digitaler Analyse verbindet. In ihrer Forschung wendet sie quantitative Methoden an, um die Feinheiten der Klaviertechnik und Ausdrucksweise zu untersuchen, und liefert dadurch neue Erkenntnisse, die traditionelle Aufführungspraxis mit moderner Technologie verknüpfen. Diese Studie eröffnet nicht nur neue Wege für die Interpretation und Lehre des Klavierspiels, sondern stellt auch einen bedeutenden Schritt zum besseren Verständnis musikalischer Ausdrucksnuancen dar.
Die vollständige Rezension untersucht, wie Dr. Kekas Arbeit zur Zukunft der Klavierpädagogik und Aufführungsanalyse beiträgt.
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Offizieller Gutachtenbericht (Übersetzung ins Deutsche)
Bulletin der Universität „Hl. Kyrill und Method“ in Skopje, Nr. 1239 (1. Juni 2021)
GUTACHTEN
zur Doktorarbeit im Bereich der musikalischen Interpretation von:
– Maurice Ravel: Miroirs (M. 43)
– Leoš Janáček: In the Mists / „Im Nebel“
– Samuel Barber: Klaviersonate, op. 26
– Benjamin Britten: Konzert für Klavier und Orchester, op. 13 (revidierte Fassung 1945)
sowie zur theoretischen Arbeit „Der Einsatz digitaler Technologien in der quantitativen Analyse der pianistischen Interpretation“
von M.A. Mimoza Keka (Fakultät für Musik, Skopje)
Auf Grundlage der Entscheidung des Lehr‑, wissenschaftlichen und künstlerischen Rates der Fakultät für Musik in Skopje wurde eine Gutachterkommission in folgender Zusammensetzung gebildet: Prof. Todor Svetiev (MA), Prof. Dimitrije Buzharovski (PhD), Prof. Marija Gjoshevska (PhD), Prof. Emilija Potevska Popivoda (PhD) und Prof. Trena Jordanoska (PhD), mit dem Auftrag, die Doktorarbeit zu begutachten und einen Bericht vorzulegen.
Die Doktorarbeit besteht aus zwei interpretatorischen (künstlerisch‑praktischen) Teilen sowie einer theoretischen Arbeit. Der erste interpretatorische Teil (Ravel: Miroirs; Janáček: In the Mists; Barber: Sonate op. 26) fand am 11. Januar 2021 um 12:00 Uhr im Format einer ZOOM‑Konferenz mit Präsentation einer integralen Videoaufzeichnung der Darbietung der Kandidatin statt.
Die Kandidatin, M.A. Mimoza Keka, bewältigte in hervorragender Weise die interpretatorische Herausforderung, die das ausgewählte Programm mit bedeutenden Werken der Klavierkunst des 20. Jahrhunderts mit sich brachte. In diesem Teil der Verteidigung zeigte sie eine außerordentlich ausgeprägte individuelle Fähigkeit, die komplexe formale Struktur jedes aufgeführten Werkes zu gestalten, wobei sie alle interpretatorischen Elemente erfolgreich ausbalancierte und zu einer Einheit verband. Ihre Darbietung zeichnete sich durch eine klare und suggestive schöpferische Vorstellungskraft in der Präsentation des thematischen Materials und seiner Ausarbeitung aus, durch einen präzise ausgearbeiteten dynamischen, artikulatorischen und rhythmischen Plan sowie durch eine außergewöhnlich gut entwickelte pianistische Technik. Hervorzuheben ist, dass die Werke dieses Rezitals in unserer Umgebung praktisch erstmals aufgeführt wurden: als Premiere (S. Barber: Sonate op. 26) sowie als vollständige Aufführung (L. Janáček: In the Mists; M. Ravel: Miroirs). Eindrucksvoll waren zudem Bühnenpräsenz, Suggestivität und Energie, mit denen die Kandidatin diesen Teil der Verteidigung abrundete. Die Gutachterkommission stellt fest, dass die Kandidatin der komplexen Aufgabe des ausgewählten Programms in vollem Umfang gerecht wurde und die musikalisch‑künstlerischen Standards für die Verteidigung des selbständigen Rezital‑Teils einer Doktorarbeit im Bereich der pianistischen Interpretation erfüllt hat.
Der zweite interpretatorische Teil (Benjamin Britten: Konzert für Klavier und Orchester op. 13, revidierte Fassung 1945) fand am 18. März 2021 um 11:00 Uhr ebenfalls im Format einer ZOOM‑Konferenz mit Präsentation einer integralen Videoaufzeichnung statt. Als Klavierpartnerin wirkte M.A. Jovana Trajčeva mit. Auch für diesen Teil stellt die Gutachterkommission fest, dass die Kandidatin ein hohes professionelles, technisches, künstlerisches und ästhetisches Niveau zeigte und die für die Verteidigung dieses Teils des Doktoratsprogramms erforderlichen Kriterien vollständig erfüllte.
Der theoretische Teil der Doktorarbeit mit dem Titel „Der Einsatz digitaler Technologien in der quantitativen Analyse der pianistischen Interpretation“ umfasst insgesamt 111 Seiten und enthält die üblichen vier Kapitel (Gegenstand, Literaturüberblick, Methode und Ergebnisse), gefolgt von Schlussfolgerungen und Bibliographie. Bereits in der Einleitung konstatiert die Kandidatin den großen Einfluss elektroakustischer Technologien und digitaler Klangverarbeitung auf Schaffen, Interpretation und Rezeption der Musik und betont, dass neue informationstechnologische Möglichkeiten auch neue Perspektiven für Forschung und Analyse musikalischer Interpretation eröffnen. Da frühere Ansätze zur Entwicklung einer Interpretationstheorie überwiegend auf qualitativen Methoden (Beschreibung und Deutung der Intentionen des Interpreten) beruhten, richtet sie den Fokus auf digitale Technologien und neue Aufzeichnungsformen und untersucht deren Anwendung durch quantitative Methoden. Dabei stützt sie sich u. a. auf die Schlussfolgerungen aus den theoretischen Arbeiten von Prof. Dr. Dimitrije Buzharovski, der seit mehr als zwei Jahrzehnten die Nutzung digitaler MIDI‑, Audio‑ und Videoaufzeichnungen als Grundlage quantitativer Analysen musikalischen Schaffens und interpretatorischer Praxis behandelt.
Das Forschungsvorhaben wird in drei Forschungsfragen konkretisiert:
1) Eröffnet die Analyse von MIDI‑, Audio‑ und Videoaufzeichnungen neue Möglichkeiten in der Analyse der pianistischen Interpretation?
2) Liefern neue Quantifizierungsmethoden, die aus der Analyse digitaler Aufzeichnungen gewonnen werden, bessere Ergebnisse als konventionelle Methoden?
3) Sind die Erkenntnisse aus der Analyse pianistischen Interpretierens mit digitalen Werkzeugen für die weitere Entwicklung und Verbesserung interpretatorischer Technik anwendbar?
Daraus wird die Forschungshypothese formuliert, dass neue digitale MIDI‑, Audio‑ und Videoaufzeichnungen einen quantifizierten Zugang zum Problem der pianistischen Interpretation ermöglichen. Diese Hypothese wird im Rahmen eines Pilotprojekts überprüft, in dem Möglichkeiten der Analyse von MIDI‑, Audio‑ und Videoaufzeichnungen getestet und verglichen werden. Auf Grundlage der Analysen werden die drei entsprechenden Nullhypothesen verworfen und die Ausgangshypothese bestätigt. Zugleich wird auf die Triangulation der Ergebnisse durch die drei Aufzeichnungsarten sowie auf die praktische Bedeutung des Projekts für interpretatorische Arbeit an neuem Repertoire und für den Einsatz digitaler Werkzeuge als Unterstützung für den Interpreten hingewiesen.
Abschließend betont die Gutachterkommission, dass es sich bei der theoretischen Arbeit um ein innovatives Projekt handelt, das neue Perspektiven im Zugang zu bislang schwer erfassbaren Merkmalen der pianistischen Interpretation – und musikalischer Interpretation insgesamt – eröffnet. Auf der Grundlage der bestätigten Forschungshypothese, dass digitale Technologien eine solide Grundlage für quantitative Analysen bieten (ein Ansatz, der in diesem Bereich bislang weitgehend fehlte), kann die Arbeit als Basis für weiterführende, größere Untersuchungen dienen, die die methodologischen Grundlagen dieses Ansatzes weiter festigen würden, u. a. durch einen erweiterten Einsatz statistischer Verfahren, die zu noch tieferen Erkenntnissen über das Wesen des Aufführungsphänomens führen können. Insgesamt entspricht die Arbeit den geforderten Normen, dem Niveau und den Aufgaben für den theoretischen Teil einer Doktorarbeit im Bereich der musikalischen Interpretation.
Unter Berücksichtigung sämtlicher dargelegter Schlussfolgerungen – sowohl zum interpretatorischen Teil als auch zur vorgelegten theoretischen Arbeit – stellt die Gutachterkommission fest, dass die Kandidatin M.A. Mimoza Keka die interpretatorischen Anforderungen für eine Doktorarbeit im Bereich musikalischer Interpretation vollständig erfüllt und eine theoretische Arbeit vorgelegt hat, die durch Themenwahl, Bearbeitung, Kommentierung und Schlussfolgerungen einen Fortschritt im theoretischen Zugang zu Interpretationsproblemen in der mazedonischen Musikologie darstellt. Daher schlägt die Gutachterkommission dem Lehr‑, wissenschaftlichen und künstlerischen Rat der Fakultät für Musik in Skopje vor, die Arbeit zu bestätigen und die Verteidigung des abschließenden theoretischen Teils der Doktorarbeit von M.A. Mimoza Keka anzusetzen.
Gutachterkommission:
Prof. Todor Svetiev, MA
Prof. Dimitrije Buzharovski, PhD
Prof. Marija Gjoshevska, PhD
Prof. Emilija Potevska Popivoda, PhD
Prof. Trena Jordanoska, PhD
